Atelier / Frank Sanderink
GALERIE EVA POLL

Ausstellung - STANDPUNKTE
Termin: bis 15.4.2007

Antonello Bulgini, Olivier Heinry, Heiko Matting, Frank Sanderink

Vier Positionen. Diese Maler aus Rom, Paris und Berlin fragen weder nach Rubriken noch danach, welche Malerei gerade Saison hat. Sie halten sich an die Präsenz, damit wahrnehmbar wird, was Malerei vermag. Sie wollen nicht Kunst machen, modern, zeitgenössisch oder fortschrittlich sein. Es geht ihnen um die Malerei.
In den Bildern Antonello Bulginis (*1960) verschmelzen Eindrücke des Alltags, gelebte Leben und "gestohlene Erinnerungen", wie er es selbst nennt, zu manchmal bizarr anmutenden Landschaften, die scheinbar ureigene, komische und tragische Geschichten erzählen wollen, dabei jedoch immer rätselhaft bleiben. Der Italiener ist ein Wanderer zwischen den Welten, Gegensätze sind sein Thema. Beim Ausloten von hell und dunkel, leise und laut, Wunschbild und Verdammnis malt er sich kraftvoll bis an die Grenzen dessen was das Triebhafte im Menschen sichtbar werden läßt.
Olivier Heinry (*1965) widmet sich sein zehn Jahren unter Verwendung von einfachen, jedoch außergewöhnlichen Techniken der Malerei und Bildhauerei. Seine Intention ist es nicht, einen bildlichen Ausdruck auf Leinwand oder Papier zu verdichten – Heinry zerlegt, was er schaffen will, chromatisch und physisch. Im Stil des Pointillismus klebt oder sprüht der Künstler Farbpunkte auf den Bildträger. Erst aus einer gewissen Entfernung fügt sich im Auge des Betrachters das Bild zusammen. In seinen plastischen Arbeiten trägt Heinry das Bild in den Raum und läßt die Farbe zugunsten eines klaren Schwarz verschwinden. Akribisch perforiert er Papier. Durch die Leerstellen entstehen neue Bilder. Die ausgestanzten Partikel scheinen in den Raum zu wandern, um sich dort in Skulpturen neu zu formieren.
Heiko Matting (*1965) stellt in seinen Arbeiten noch immer sehr unterschiedliche deutsch-deutsche Realitäten einander gegenüber und offenbart dahinter liegende Denkweisen mit teilweise symbolischen Mitteln. Seine Bilder sind Erkundungsgänge, lange Wege, Lehrpfade für den Künstler. Das Ziel ist unbestimmt, vielleicht nicht notwendig, nicht einmal erwünscht - solange die Bewegung für ein Fortschreiten des Erkundungsganges sorgt.
Frank Sanderink (*1965) malt vor Ort in der Natur. Bäume verändern sich ständig, so wie Malerei während des Malens. Das ist für diesen Künstler das eigentliche Abenteuer.
Vier Maler, vier Positionen, alle Mitte 40, kein Programm. Die Kraft ihrer Bilder ist die Kraft der Malerei.

© 2006 sanderink / de andrade